Momente des Glücks - Rückblick auf das Symposium "Begegnungen - ein intergeneratives Modellprojekt" 20.02.2013

Mit etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet wurde auf dem Symposium „BEGEGNUNGEN – ein intergeneratives Modellprojekt“ unter Leitung von Prof. Dr. Dörte Weltzien, Prof. Dr. Thomas Klie und Norman Pankratz einen Tag lang intensiv über das Besondere an BEGEGNUNGEN zwischen Vorschulkindern und hochbetagten Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben, diskutiert (Bildergalerie Symposium Begegnungen).

 

In der Vorstellung des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts „BEGEGNUNGEN“ und seinen bisherigen Verläufen durch Thomas Klie (Begegnungen - Die Perspektive Alter, Präsentation Thomas Klie) und Dörte Weltzien (Begegnungen mit Hochbetagten - Bildungsgelegenheiten für Kinder?, Vortrag Dörte Weltzien) wurde ersichtlich, welche besondere Bedeutung die seit rund 18 Monaten wöchentlich stattfindenden Treffen sowohl für die BewohnerInnen von Alten- und Pflegeheimen in Freiburg und Waldkirch bzw. der Wohngruppe für Menschen mit Demenz (WOGE e.V.) als auch für die beteiligten Kindergartenkinder haben.

BEGEGNUNGEN machen aktiv

Es finden sich eine Fülle berührender Momente in den BEGEGNUNGEN. Sie werden zunehmend persönlicher, die anfängliche Zurückhaltung hat auf beiden Seiten stark abgenommen. Die vorläufigen Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zeigen deutliche Wirkungen – die BewohnerInnen sind bei den BEGEGNUNGEN und häufig auch noch den ganzen Tag aktiver, zufriedener, zeigen Vorfreude auf die BEGEGNUNGEN des Tages und berichten später ihren Betreuungskräften oder Angehörigen von den Aktivitäten mit den Kindern. Auch bei Menschen mit Demenz sind – je nach persönlichem Befinden und Tagesform - eine aktive Beteiligung und „Momente des Glücks“ (Klie) festzustellen. Bei den Kindern zeigt sich unter anderem, dass sie zunehmend einen Zugang zu den alten Menschen finden, sie wissen mehr über das hohe Alter und erkennen, wie unterschiedlich alte Menschen sind – ihre Altersbilder differenzieren sich zunehmend aus.

Kinder erleben sich als kompetente Partner

Ein interessantes Ergebnis der videogestützten Analysen und teilnehmenden Beobachtungen ist auch, dass die BEGEGNUNGEN eine entspannende Wirkung auf die Kinder haben. Die besondere Atmosphäre der Treffen, in denen alle Beteiligten Zeit für einander haben und sich wertschätzend aufeinander einlassen, scheint gerade für Kinder mit einem großen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit besonders wertvoll zu sein. Hinzu kommt, dass sie sich bei vielen Aktivitäten als kompetente Partner erleben, die laufen, sprechen und bei Bedarf auch unterstützen können.

 

„So ganz haben wir das Geheimnis der BEGEGNUNGEN und ihrer Attraktivität für die Kinder noch nicht gelüftet“, sagt Dörte Weltzien. "Wir vermuten, dass die Kombination aus Freude und Bewunderung der alten Menschen über die Kinder ihr Selbstwertgefühl stärkt und sie in der neuen Umgebung (die ihnen längst nicht mehr fremd ist) neue Rollen annehmen können, in denen sie ein positives Selbstbild entwickeln.“ In den kommenden Monaten werden die entwickelten Thesen zu den Wirkungen der BEGEGNUNGEN sowohl von gerontologischer Seite als auch aus kindheitspädagogischer und entwicklungspsychologischer Sicht weiter geprüft. 

Aus BEGEGNUNGEN werden Beziehungen

Auch die beteiligten Praxispartner berichten von interessanten Erfahrungen in den BEGEGNUNGEN. „Unsere BEGEGNUNGEN sind eigentlich eher Beziehungen“, so Wolfgang Ruf, der Stiftungsleiter des St. Nikolai-Spitalfonds aus Waldkirch, einer der sechs beteiligten Projekteinrichtungen. Barbara Weiß von der kooperierenden Kita Pfiffikus in Waldkirch bestätigt diese Beobachtung: „Unsere Kinder legen jetzt großen Wert darauf, den SeniorInnen beim Kommen und Gehen die Hand zu geben. Das war am Anfang nicht so.“

 

In dem durch Norman Pankratz, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der EH Freiburg, moderierten Praxisaustausch wurde deutlich, dass sich die BEGEGNUNGEN inzwischen zu fest etablierten Angeboten der Kitas bzw. Alten- und Pflegeheimen entwickelt haben. Die anfängliche Skepsis – sowohl bei den Kindern und deren Eltern, als auch bei den SeniorInnen – und die Berührungsängste auf beiden Seiten ist einer Vertrautheit und Selbstverständlichkeit des Miteinanders gewichen. „Je öfter die Kinder mitgehen, desto wohler fühlen sie sich“, resümiert Ines Birkle von der Kindertagesstätte Norsinger Weg, eine AWO-Einrichtung in Freiburg, die wöchentliche BEGEGNUNGEN gemeinsam mit dem Martha-Fackler-Heim durchführt. Die Kontinuität hat eine hohe Qualität, auch dies zeigen die ersten wissenschaftlichen Auswertungen.

Gemeinsam etwas Künstlerisches gestalten stärkt Gruppengefühl

Von einer besonderen Atmosphäre berichten auch die Leiterin der Kita Wiesengrün Annette Westermann und Regina Kraus von der WOGE e.V. „Da kommt es gar nicht so drauf an, dass wir viel anbieten, sondern es entwickelt sich häufig etwas aus der Situation heraus. Unsere BewohnerInnen leben ohnehin in dem Moment und wir beobachten, dass sowohl die Kinder als auch die Menschen mit Demenz eine hohe Sensibilität für einander zeigen“, sind sich die Begleiterinnen einig.

 

„Die Aktivitäten und Angebote sind ein wichtiges Hilfsmittel in diesen BEGEGNUNGEN, weil man nicht davon ausgehen kann, dass alte Menschen und Kinder „automatisch“ etwas miteinander anfangen können. Diese Aktivitäten sind aber nur der Rahmen, in dem sich BEGEGNUNGEN oder Beziehungen entwickeln können, so Kindheitspädagogin Weltzien. Sie hat gemeinsam mit Masterstudierenden der EH Freiburg viele BEGEGNUNGEN beobachtet und videographiegestützt analysiert.

 

„Vor allem die Angebote, die Raum für aktives Handeln und gemeinsame Erfahrungen lassen – zum Beispiel gemeinsam etwas Künstlerisches zu gestalten – sind BEGEGNUNGEN, die eine besondere Atmosphäre entwickeln. Von dieser Erfahrung berichtet auch Prof. Dr. Reinhard Lohmiller von der Evangelischen Hochschule Freiburg, der ein biographisch ausgerichtetes Kunstprojekt mit Kindern und SeniorInnen aus Waldkirch durchgeführt hat (Generationen_Kunst, Präsentation Reinhard Lohmiller). „Es war faszinierend zu beobachten, wie die Beteiligten in eine tiefe Beschäftigung hineingefunden haben und sich darüber anschließend ausgetauscht haben – über drei Stunden ging das Malprojekt und die teilnehmenden Fachkräfte, Eltern und Angehörige waren fasziniert von dem vertrauten Miteinander, so das Resümee der Initiatoren.

 

Eine ähnliche Erfahrung haben auch Gabriele Scherrer und Rainer Möck-Butschek aus Schwäbisch-Hall gemacht, die in einem Referat ihre Erfahrungen eines von dem Montessori Kinderhaus in Schwäbisch-Hall und der DIAK-Altenhilfeeinrichtung gemeinsam durchgeführte Theaterprojekte berichteten. „Es entsteht ein Gruppengefühl und da spielt es auf einmal keine Rolle mehr, ob jemand ganz alt oder ganz jung ist. Alle geben ihr Bestes und jeder weiß, wie wichtig er für das Stück ist. Es sind ganz tolle Erfahrungen, die die Kinder und alten Menschen dort machen“, fassen die Verantwortlichen ihre Eindrücke zusammen. Allerdings muss das Ganze institutionell unterstützt werden, damit es in dieser Intensität durchgeführt werden kann. Dies sei nicht immer leicht zu realisieren und bedeute ein großes persönliches Engagement.

Mehr Erfahrungsaustausch gewünscht

In den drei anschließenden Workshops und Gesprächsrunden ging es darum, Praxiserfahrungen für die Planung und Begleitung der BEGEGNUNGEN auszutauschen (Workshop 1: Begegnungen in der Praxis planen und begleiten. Berichte der OrganisatorInnen, Moderation: Norman Pankratz), die institutionelle Verankerung und Verbreitung der Projekte zu diskutieren (Protokoll von Workshop 2 „Begegnungen zwischen Jung und Alt institutionell gestalten, Moderation: Dörte Weltzien) und das besondere Themenfeld „Kinder und Menschen mit Demenz“ zu beleuchten (Protokoll von Workshop 3:„Begegnungen zwischen Kindern und Menschen mit Demenz “, Moderation: Thomas Klie).

 

Der fachliche Austausch und die Erfahrungsberichte aus Praxis und Wissenschaft wurden von den Teilnehmenden sehr begrüßt. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach einer Fortsetzung des Erfahrungsaustausches deutlich. Gewünscht waren u.a. Fortbildungen zur intergenerativen Arbeit für Fachkräfte aus Kitas und Einrichtungen der Altenhilfe und eine Berücksichtigung einer generationenübergreifenden Arbeit bereits in der Ausbildung in Fachschulen und Hochschulen. Auch wurde eine Öffentlichkeitsarbeit gewünscht, die die Erfahrungen aus dem Projekt für die Praxis und die wissenschaftlichen Ergebnisse aufbereitet und anderen Initiativen den Start erleichtert. Erste Erfahrungen mit den BEGEGNUNGEN zwischen Jung und Alt wurden bereits in einer Praxishandreichung zusammengefasst, die für 5 Euro über den FEL-Verlag bezogen werden kann.

 

Begleitet wurde das Symposium von einer Ausstellung, die mit Fotos, Spielen, Büchern und in den BEGEGNUGNEN entstandenen Materialien den Besuchern einen lebendigen und praxisnahen Einblick in das Modellprojekt ermöglicht hat.

 

Freiburg, 20.03.2013

 

Kontakt

Norman Pankratz

pankratz@eh-freiburg.de, Telefon 0761 47812-638

 

Programm

Bildergalerie

 

Downloads - Präsentationen und Protokolle der Workshops 20. Februar 2013

 
 

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