Projektbeschreibung

Unter dem Titel „Begegnungen. Gestützte Begegnungen zwischen
Hochaltrigen und Vorschulkindern zur Verbesserung von Lebensqualität und sozialer Teilhabe“ werden im Zeitraum 01.08.2011 - 31.07.2014 unterschiedliche Möglichkeiten der professionell begleiteten und unterstützten Begegnung zwischen Kindern aus Kindertageseinrichtungen mit alten Menschen in Einrichtungen der Altenhilfe erprobt und hinsichtlich ihrer Wirkungen auf beide Zielgruppen untersucht.

 

Das an der EH Freiburg von einem interdisziplinären Team von Forschungsgruppen aus dem Bereich der Frühpädagogik (ZfKJ, Zentrum für Kinder- und Jugendforschung; Leitung: Prof. Dr. Dörte Weltzien) und der Gerontologie (AGP, Institut für angewandte Sozialforschung, Leitung: Prof. Dr. Thomas Klie) realisierte Projekt wird vom BMBF im Rahmen der Förderlinie SILQUA („Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter“) gefördert.

 

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Projekt „Begegnungen“ - Erste Erfahrungen aus der Praxis vom AWO-Team, Freiburg

von Dörte Weltzien, Projektleitung

Donnerstag morgen im Morgenkreis im AWO-Kindertagesstätte Norsinger Weg in Freiburg: Der wöchentliche Besuch im Martha-Fackler-Heim, ein Alten- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt, ca. 10 Minuten von der Kindertagesstätte entfernt, steht an diesem Vormittag auf dem Programm. Auf die Frage „wer kommt mit?“ – melden sich wieder mehr Interessenten, als Kinder mitgehen können – rd. 8-12 Kinder je nach Aktivität dürfen einmal wöchentlich mit.


Das Projekt „Begegnungen“ stellt eine offene Einladung an die Kinder dar. Es gibt keine feste Projektgruppe und keine Teilnahmepflicht aber eben auch keinen Ausschluss von Kindern, die gerne einmal mitgehen möchten, um das Martha-Fackler-Heim und die dortigen Bewohner einmal kennenzulernen. Freiwilligkeit ist eines der Leitprinzipien dieses Projekts. „Ich gehe heute nicht mit, damit auch meine Schwester mal mit kann“, entscheidet eine 5jährige spontan. Ihre 3jährige Schwester ist noch nicht lange in der Einrichtung und möchte unbedingt auch mal zu den alten Menschen. So macht sich die Gruppe von acht Kindern auf den Weg. „Wir sind selbst erstaunt, wie groß das Interesse unserer Kinder an den Begegnungen ist“, sagt Brigitte Fintz, Leiterin der AWO-Kita. Heute steht das gemeinsame Erstellen von Faschingsmasken auf dem Programm. Die Kinder werden mit Freude erwartet.


Im Heim kennt die Kinder jeder, alle freuen sich auf sie, jeder erwartet sie. „Ihr könnt Eure Jacken dort auf die Bank legen“, sagt eine neue Mitarbeiterin des Heims. „Wissen wir doch“, entgegnet ihr Samuel, einer der Jungen, der schon oft hier war. Er fühlt sich hier zu Hause, begrüßt erst einmal „seine“ Fische im Aquarium, schaut nach, ob sein großer schwarzer Lieblingsfisch noch da ist. Dann zieht er Jacke und Stiefel aus und geht zu einem Tisch, an dem bereits fünf Bewohnerinnen erwartungsvoll sitzen. Die meisten von ihnen sind weit über 80, viele von ihnen im Rollstuhl und auf dauerhafte Pflege angewiesen.


Auch hier im Pflegeheim gibt es bereits eine feste Gruppe von BewohnerInnen, die seit dem Start des Projekts im November 2011 immer dabei sind. Ob es ihnen an diesem Tag gut geht oder eher nicht, die Kinder wollen sie nicht verpassen. Es kommen aber auch immer wieder neue BewohnerInnen dazu.

Begegnungen bringen neue fachliche Erfahrungen für die Teams

Die Begegnungen sind in dieser Form auch für die beteiligten Teams eine neue Erfahrung: „Ich finde es gut, dass ich jetzt auch etwas mit Kindern zu tun habe. Ich habe keine Kinder und kenne mich auch nicht so gut aus. Deshalb freue ich mich, dass wir dieses Projekt jetzt machen.“, sagt eine Betreuerin im Pflegeheim. „Für uns ist es schön, weil sich ein Kreis schließt. Einige der Bewohner kennen wir noch von früher, sie wohnen hier in der Gegend. Andere kennen wir noch als Großeltern unserer ehemaligen Kinder und jetzt besuchen wir sie. Und wir spüren, wie sehr wir hier willkommen sind. Viele strahlen, wenn die Kinder kommen. Manche erzählen uns viel von sich, von ihren Kindern und Enkeln, die vielleicht weit weg sind und sie nur selten besuchen können“, so die
Einschätzung der Erzieherinnen.

Kinder spielen Altenheim

„Neulich haben die Kinder ´Altenheim´ gespielt. Und haben zu mir gesagt, ´Du bist jetzt die alte Frau´“, erinnert sich Ariane Appler, Frühpädagogin in der Kindertagesstätte an dieses neue Spiel. „Die Kinder haben sich als Team aufgeteilt. Die eine war für die Massage zuständig. Die andere hat den Arm hochgehoben. Dann gab es eine Rückenmassage. ´Alte Menschen mögen ja, dass man sie massiert.´ Dann hat ein Kind ein Buch vom Sprachtraining aus dem Regal geholt. ´Weil alte Menschen nicht mehr so gut sprechen können.´ Dann haben die Kinder Reime mit mir geübt. ´Sag mal `10 Fische. Nicht Tische. Fische!´

 

Für die Fachkraft war es eine beeindruckende Leistung der Kinder, ihre Erfahrungen und Vorstellungen vom Alter im Spiel umzusetzen. Es zeigt ihrer Einschätzung nach, wie sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten im Umgang mit alten Menschen vergrößern.

Die besondere Rolle der beteiligten Teams

Das Projekt wird getragen von dem großen Engagement der beteiligten Kita-Fachkräfte und den Mitarbeiterinnen des Pflegeheims. Sie sorgen gemeinsam für die praktische Umsetzung des Forschungsprojekts, planen jede Woche neue Begegnungen, tragen ihre Ideen, Materialien und Kompetenzen zusammen, sorgen zuverlässig und verantwortungsvoll für ein Gelingen der Begegnungen und gehen – dies ist sicherlich ein Erfolgsfaktor in diesem Team – wertschätzend, zugewandt und mit gegenseitigem Respekt vor der jeweiligen Fachlichkeit der anderen Teams miteinander um.

Ohne Ressourcen geht es nicht

Die Begegnungen brauchen gute Strukturen und eine solide Basis. „Selbst wenn ich ein Angebot wie ´Tanzen im Sitzen´ durchführe, für das ich qualifiziert bin, muss ich es noch einmal anders vorbereiten, wenn Kinder dabei sind. Wir müssen mindestens zu zweit sein, damit wir den BewohnerInnen gerecht werden können. Denn es kann immer sein, dass jemand zurück in sein Zimmer möchte oder besondere Aufmerksamkeit braucht und wenn man dann alleine wäre, kann man die entspannte Atmosphäre, die so wichtig für die Begegnungen sind, nicht halten. Glücklicherweise waren wir bis jetzt zu zweit, aber wenn Krankheiten oder Urlaub dazu kommen, wird es schon eng.“, so eine Mitarbeiterin des Pflegeheims. Das Projekt wird von Trägerseite unterstützt, auch dies ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen. „Aber wir könnten auch noch ehrenamtliche Kräfte gebrauchen, zum Beispiel für Ausflüge. Da brauchen wir eigentlich eine 1:1 Relation. Vielleicht können wir auch Angehörige gewinnen, uns zu unterstützen. Das Interesse ist schon da.“

 

(gekürzte Fassung, März 2012)

 

Download

Den vollständigen Bericht lesen: Begegnungen – Erste Projekterfahrungen in dem AWO-Team, Freiburg

 

Zur Autorin:
Prof. Dr. Dörte Weltzien ist Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Evangelischen Hochschule Freiburg und leitet dort seit 2009 den Bachelor-Studiengang „Pädagogik der frühen Kindheit“. Als Sozialwissenschaftlerin arbeitete sie mehrere Jahre in der empirischen Sozialforschung. Seit 2004 forscht und lehrt sie im Bereich der frühen Kindheit. Schwerpunkte: Kindheit und Lebenswelt, Gestaltung von Interaktions- und Bildungsprozessen, Evaluation frühpädagogischer Programme sowie Lebensqualität, Soziale Ungleichheit
und Netzwerke. Kontakt: weltzien@eh-freiburg.de.

 
 

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